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Von einem, der auszog, das Fahren zu lernen
Das Zweiradfahren lag mir lange nicht im Blut. Klar, ich hatte immer ein Fahrrad, machte damit 1988 eine Solofahrt durch Irland. 1992 wiederholte ich die Inseltour mit meiner damaligen Partnerin und 2008 mit meinem Sohn. Als 15-Jähriger war ich stolz wie Oskar auf mein Mofa, ein Geschoss mit 1 PS. Aber so richtig Mopedfahren kam mir lange nicht in den Sinn ...
Bis ich dann eines Tages im Jahr 2005 die verrückte Idee hatte, mir eine Vespa zu kaufen. Durch die Gnade meiner frühen Geburt durfte ich ohne jegliche Vorkenntnisse eine Maschine mit 125ccm fahren. Immerhin rund 100 Sachen schnell.
Ich lebte damals in Wolfsburg und fuhr mit dem Zug nach Braunschweig zu einem Zweiradhändler, um mir eine Vespa auszusuchen. Gebraucht natürlich.
Da stand eine silberne Vespa LX 125 mit 10,7 PS und 2.000km auf dem Tacho. Ich handelte den Verkäufer auf etwa 2.200 Euro runter - inklusive zwei Helmen -, lehnte eine billigere No-Name-Maschine ab und setzte mich auf das schöne Gefährt.
Ich hatte, wie gesagt, keine Ahnung vom Mopedfahren, steuerte aber mein neues Gefährt stolz und begeistert durch den Feierabendverkehr einer Großstadt und auf die Autobahn nach Wolfsburg. Dort gab ich Vollgas, legte mich an einem leichten Gefälle flach über den Lenker und schaute staunend auf den Tacho: Bei 118 zitterte die Nadel.
Auf Deutsch: Ich war leicht lebensmüde, auch wenn ich mir vorher bei eBay bereits eine Motorradjacke und Handschuhe besorgt hatte. Andererseits hatte ich vom ersten Moment an nur Spaß und keine Angst. Wie mir später Bekannte bestätigten, sah es vom ersten Tag an so aus, als ob die Vespa und ich füreinander gemacht wären.

Französische Alpen 2011

Mit der Vespa zum und auf dem Autoreisezug in Neu-Isenburg. Mein Sohn Marius verewigt sich mit einer Münze im Trevi-Brunnen.



Caracalla-Thermen, Tiberbrücke, Ankunft in Rom 2010, Schiefer Turm von Pisa, mit der Vespa LX 125 durch Italien.




Die ersten Abenteuer:Nordsee und Italien
Anfangs nutzte ich meine neue Vespa nur als Fahrzeug für die Arbeit und die Stadt. 2008 änderte sich alles.
Weil ich für kurze Zeit im Schwarzwald arbeitete und die Vespa dort ebenfalls fahren wollte, überführte ich sie kurzerhand 2008 von Wolfsburg nach Baden-Württemberg und später wieder zurück. Je 650km. Mein Herz klopfte aufgeregt bis zum Halse, als ich auf der Autobahn das Frankfurter Kreuz passierte. Auf der vollen Schnellstraße zwei Spuren nach links springen, das war aufregend. Alles lief glatt. Ebenso meine erste Urlaubsreise mit damaliger Partnerin von Wolfsburg nach Hannover und hoch an die Nordsee in Schleswig-Holstein. Ich spürte: Da geht noch mehr!
2010 schnappte ich meinen Sohn für die erste Fernreise von Chemnitz nach Rom. Doch so ganz traute ich meinem Können noch nicht. Deshalb steuerten wir erst den Bahnhof von Neu-Isenburg bei Frankfurt/Main an. Dort schob ich meine Vespa auf den Autoreisezug nach Alessandria in Norditalien, kürzte also ein paar Hundert Kilometer ab.
In Alessandria zu zweit auf die Vespa gesprungen und auf zum ersten großen Abenteuer. Das gleich mit einer Lehrstunde begann. Rein in den ersten Kreisverkehr, schön vorsichtig rechts. Also komplett falsch. Ein Italiener zog sein Auto mit Vollgas vom Innenkreis zu einer Ausfahrt, nur wenige Zentimeter vor meinem Vorderrad.
Lektion gelernt. Seitdem nehme ich Kreisverkehre wie ein Italiener - nach dem Motto: Wer bremst, verliert.
Wir fuhren über die alte Via Appia an Genua vorbei nach Pisa, staunten über den schiefen Turm. Über Livorno und Grosseto erreichten wir die Hauptstadt. Und standen auf dem Schlauch. Es gab noch kein digitales Navi und ich hatte keinen blassen Dunst, wie wir unsere gebuchte Unterkunft finden sollten. Also setzte ich meinen Sohn in ein Taxi zum Hotel und düste hinterher.
Höllenfahrt in Rom
Die Höllenfahrt über Kopfsteinpflaster werde ich nie vergessen. Aber alles klappte. Wir besichtigten Rom zu Fuß und mit der U-Bahn vom Tiber bis zum Kollosseum, von den Caracalla-Thermen bis Forum Romanum. Zurück fuhren wir über Florenz. Kurz vor der Stadt begann es zu schütten wie aus Eimern. Alles Warten nutzte nichts, also schwommen wir 30 Minuten durch strömenden Regen. Klatschnass kamen wir im Dunkeln in der Stadt an und verteilten unsere Sachen zum Trocknen im Zimmer. Der Rückweg nach Alessandria und mit dem Zug war spannend, aber easy.
Nun hatte ich Blut geleckt und startete im Jahr darauf zu einer Solo-Vespa-Tour erneut nach Italien. Diesmal ohne Zug, dafür nicht ganz bis Rom. Erstes Ziel nach dem Brennerpass war Verona, wo ich mich spontan ins Amphitheater verliebte, und Florenz erreichte ich Castiglione del Lago am Trasimenischen See. Als Fan von Geschichte und der Punischen Kriege mein Hauptziel.
Am See entdeckte ich ein kleines Museum, versteckt unter Pinien. Dort hatten die Besitzer die berühmte Schlacht am See mit kleinen Spielfiguren unter Glas nachgestellt. Am See entdeckte auch ein Autofahrer aus dem Erzgebirge meine Chemnitzer Vespa - und fuhr vor Schreck fast gegen einen Baum.
Über Ravenna und Padua (spannend mit klassischer Altstadt) erreichte ich wieder Verona und von dort den Lago Maggiore. Ein paar Tage Badeurlaub am östlichen Ufer inklusive Umrundung des gesamten Sees, dann ging es über den Brenner wieder nach Innsbruck und nach Hause in Sachsen.
Auf den ersten Touren hatte ich 0 Unfälle und 0 Pannen. Dann legte ich zwei Jahre Vespa-Großtouren-Pause ein, bevor ich mit meiner heutigen Frau Heidi so richtig durchstartete.


Mit der Vespa durch die Alpen, Padua, Sonnenblumen in Frankreich, Gardasee und Toskana.







Route 2010, Vespaausflug im Apennin, Papier-Navi 2011 und die Route 2011


Gardasee im Rückblick, Brenner und Riva del Garda.
